Meeresfakten und -zahlen

2012 FAKTEN UND ZAHLEN
24/04/2012: Fakten und Zahlen zur Gemeinsamen Fischereipolitik – statistische Basisdaten 2012 (Europäische Kommission)

DIE FISCHEREIKRISE

* Laut wissenschaftlicher Studien hat sich die Biomasse der Raubfische im Nordatlantik zwischen 1900 und 2000 um mehr als 80 Prozent verringert. (Quelle: Dr Villy Christensen, University of British Colombia, Kanada)

* Die Nordsee zählte zu den reichsten Fischgründen der Welt: 1995 produzierte sie fünf Prozent der weltweiten Fischanlandungen. Seither sind die Fänge von 3,5 Millionen Tonnen jährlich auf unter 1,5 Millionen Tonnen in 2007 gesunken. (Quelle: Europäische Kommission, Merkblatt zur GFP. 2008)

* 93 Prozent des in der Nordsee gefischten Kabeljaus werden gefischt, bevor sie das Alter der Geschlechtsreife erreichen. Ein Kabeljau kann vierzig Jahre und mehr alt werden, wenn er Überlebenschancen hat. (Quelle: Europäische Kommission, Grünbuch zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik. 2009)

* Die EU-Flotte hat sich seit der letzten Reform in 2002 jährlich um zwei bis drei Prozent verringert. Die Einschätzungen gehen aber dahin, dass die Reduzierung sich durch technologischen Fortschritt und höhere Effizienz der Fischereiflotte neutralisiert hat. Diese „technische Neuerung” liegt Berechnungen zufolge bei rund zwei bis vier Prozent jährlich. (Quelle: European Kommission , Überlegungen zu weiteren Reformen der Gemeinsamen Fischereipolitik. 2008)

* Zwischen 1995 und 2005 sind die EU-Fänge in Lebensgewicht nach Eurostat-Zahlen um 30 Prozent gesunken. (Quelle: Europäische Kommission, Überlegungen zu weiteren Reformen der Gemeinsamen Fischereipolitik. 2008)

* Die Gesamtbeschäftigung im EU-Fischereisektor sank zwischen 1997 und 2005 um 23 Prozent (Quelle: Europäische Kommission, Diagnose des EU-Fischereisektors. 2010)

* Über 60 Prozent der in der EU konsumierten Fischereiprodukte werden jetzt importiert (Quelle: European Kommission, Überlegungen zu weiteren Reformen der Gemeinsamen Fischereipolitik. 2008)

* Für mehrere Mitgliedsstaaten wird geschätzt, dass die Kosten für Fischfang in den öffentlichen Haushalten den Gesamtwert des Fangs übersteigen. Das heißt, dass europäische Bürger ihren Fisch doppelt bezahlen: im Laden und noch einmal über ihre Steuern. (Quelle: Europäische Kommission, Grünbuch zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik. 2009)

* Laut Schätzungen wurden EU-Fischereisubventionen in Höhe von 27.000 Euro pro Beschäftigtem und Jahr (2001 – 2006) an Mitgliedsstaaten wie Schweden, Polen und Spanien gezahlt. (Quelle: Poseidon Aquatic Resource Management Ltd und Pew-Umweltgruppe, FIFG 2000–2006 Shadow Evaluation. März 2010)

* Von den rund 400.000 im EU-Fischereisektor Beschäftigten arbeiten rund 141.110 im Fischfangsektor; das entspricht weniger als 0,1 % der Erwerbstätigen in der EU. Spanien, Griechenland und Italien stehen für 60 % der Beschäftigung im Fangsektor. (Quelle: Europäische Kommission, Fakten und Zahlen zur Gemeinsamen Fischereipolitik, 2010)

* Das im EU-Fischereisektor generierte Gesamteinkommen 2005 betrug 10,9 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,1 % des europäischen BIP. Ein Großteil des Einkommens konzentriert sich auf eine kleine Zahl von Küstengebieten (Quelle: Europäische Kommission, Diagnose des EU-Fischereisektors. 2010)

* Innerhalb der EU sind Spanien und Dänemark voluminal die größten Erzeuger. Spanien ist zudem der weitaus größte Empfänger der EU Fischereifonds; das Land erhält nahezu die Hälfte der EU-Subventionen und nutzt über die Hälfte der EU-Fischereiabkommen mit Drittländern.

* Die EU-Fischereiflotte besteht aus circa 85.000 Schiffen, die vom kleinen Fischerboot bis hin zu großen, weltweit operierenden Fabrikschiffen variieren. Spanien verfügt nach Größe und Leistung über die größte Flotte in der EU. (Quelle: Europäische Kommission, Fakten und Zahlen zur Gemeinsamen Fischereipolitik, 2010)

 ENTWICKLUNGEN IN DER WELTWEITEN FISCHEREI

Die Fangleistung eines 13 Meter-Trawlers hat sich in 30 Jahren von 1965 bis 1995 um 260 % erhöht. Quelle: Sissenwine and Symes, Überlegungen zur Gemeinsamen Fischereipolitik.

Graph

* Das Diagramm oben zeigt den Anstieg der Fischfangkapazität (sowohl nach Anzahl der Schiffe als auch nach Fangleistung) zwischen 1970 und 2005, während im gleichen Zeitraum die Fangmenge sank. (Quelle: The Economics of Ecosystems and Biodiversity, Weltbank und FAO. 2008)

* Die weltweiten jährlichen Fischereisubventionen werden auf einen Betrag zwischen $ 30 und $ 34 Milliarden geschätzt. Mindestens $ 20 Milliarden jährlich werden für die Unterstützung der Fangleistung, wie Schiffskraftstoff etc., aufgewendet. Diese umweltschädlichen Subventionen entsprechen 25 Prozent des Wertes des weltweiten Fischfangs. (Quelle: Pauly, D. und R. Sumaila. 2006. Catching more bait: A bottom-up re-estimation of global fisheries subsidies. University of British Columbia, Fisheries Centre Research Report. Vol. 14, No. 6)

* Bis zu 90 Prozent der Großfische in den Weltmeeren, so genannte Raubfische, wurden in fünfzig Jahren abgefischt. (Quelle: Myers, R. A. und Worm, B. Rapid worldwide depletion of predatory fish communities, Nature, 2003)

WICHTIGSTE FISCHFÄNGE IN DER EU

* Der EU-Gesamtfang in 2007 betrug 5.135.540 Tonnen und macht die EU nach China und Peru zum drittgrößten Fischerzeuger weltweit. Die führenden Fischereiländer sind Spanien, Dänemark, das Vereinigte Königreich und Frankreich, die zusammen für die Hälfte des Fangs stehen. (Quelle: Europäische Kommission, Fakten und Zahlen zur Gemeinsamen Fischereipolitik, 2010)

* In der EU beinhalten 63 Prozent der Anlandungen Arten, die den TACs (zulässige Gesamtfangmengen) unterliegen. Der Rest des Fangs wird ohne jegliche Quote gefischt. 44 Prozent betreffen pelagische Arten (Hering, Sprotte, Blauer Wittling, Makrele, Stöcker, Sardellen, Schwertfisch und Blauflossenthun). 19 Prozent sind demersale Arten (Sandaal, Kabeljau, Seehecht, Scholle, Kaisergranat, Seelachs, Schellfisch, Stintdorsch, Wittling, Seezunge, Seeteufel, Tiefseegarnelen, Flundern, Rochen, Schwarzer Heilbutt, Kliesche, Flügelbutt, Schnabel-Rotbarsch, Pollack, Steinbutt, Glattbutt und Lachs). (Quelle: Europäisches Parlament, Gemeinsame Fischereipolitik – ein praktischer Leitfaden. 2009)

* Zwischen zehn und sechzig Prozent des Fangs, je nach Fischerei, werden als unerwünschter Fang tot oder sterbend ins Meer zurückgeworfen. (Quelle: Europäische Kommission, Merkblatt zur GFP. 2008)

* Für die Nordsee wird der jährliche Rückwurf auf 500.000 bis 800.000 Tonnen geschätzt. (Quelle: Europäische Kommission, Merkblatt zur GFP. 2008)

 FISCHEREIPARTNERSCHAFTSABKOMMEN

* Die EU hat über 20 Fischereiabkommen mit Drittländern geschlossen, von denen aktuell 15 mit Entwicklungsländern in Kraft sind. Die EU zahlt für den Zugang zu ausländischen Fischgründen, hauptsächlich in Westafrika, rund 150 Millionen Euro jährlich. (Quelle: Europäische Kommission)

* Das größte Abkommen mit einem Wert von 86 Millionen jährlich besteht aktuell mit Mauretanien. Dies entspricht einem Drittel des Staatshaushalts des Landes. Auch das Abkommen mit Guinea-Bissau liegt in der Größenordnung von einem Drittel des dortigen Staatshaushalts. (Quelle: Schwedische Naturschutzvereinigung. 2009)

* Das kontroverseste Abkommen besteht zurzeit mit Marokko (36,1 Millionen Euro jährlich), da es auch Gewässer des besetzten Territoriums der Westsahara einschließt.

* In den meisten Abkommen zahlt die EU 90 Prozent der Zugangsgebühren und die privaten Schiffseigner nur zehn Prozent. Über fünfzig Prozent der Abkommen werden von spanischen Schiffseignern genutzt. (Quelle: Schwedische Naturschutzvereinigung. 2009)