Glossar

Beifang: Sogenannte Nicht-Zielarten (einschließlich Fischarten, Schildkröten, Meeressäugetiere, Seevögel sowie zu kleine Fische), die unerwünscht gefangen werden.

CITES (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen): Internationale Vereinbarung zwischen Regierungen, die sicherstellen soll, dass internationaler Handel das Überleben wilder Tiere und Pflanzen nicht gefährdet.

Demersale Arten (Grundfischarten): Fische, die nahe am oder auf dem Meeresboden (dem Grund) leben. Demersale Fischarten sind zum Beispiel Schellfisch, Kabeljau und Plattfisch.

EMFF (Europäischer Meeres- und Fischereifonds): Der für 2014 – 2020 neu vorgeschlagene Fonds für die Zuweisung von Subventionen für Fischereiwirtschaft und meeresbezogene Tätigkeiten. Der EMFF wurde am 2. Dezember 2011 von der Europäischen Kommission vorgeschlagen und ist Teil der GFP-Reform.

Europäischer Fischereifonds (EFF): Das EU-Programm für die Zuweisung von Subventionen für den Fischereisektor, um damit die Ziele der GFP zu unterstützen. Der EFF läuft von 2007 bis 2013 und verfügt über einen Gesamtbetrag von 3,8 Milliarden Euro. Er ersetzt das frühere Finanzinstrument für die Ausrichtung der Fischerei (FIAF).

Fischereiaufwand: Die Menge an Zeit und Fangleistung, die für den Fischfang aufgewendet wird. Fischereiaufwand kann mittels Ausrüstungsgröße und –menge, Bootsgröße, PS, Kraftstoffverbrauch, Arbeitskraft etc. ausgedrückt werden.

Fischereipartnerschaftsabkommen (FPAs): Bilaterale Abkommen zwischen der EU und Drittländern, häufig Entwicklungsländer, in denen die EU für Fangrechte zahlt. Ein Anteil des Abkommens ist für die Entwicklungsfinanzierung nachhaltiger Fischerei im Drittland bestimmt.

GFP (Gemeinsame Fischereipolitik): Die Gemeinsame Fischereipolitik ist die Organisationsstrategie der Europäischen Union für den Ablauf der EU-Fischereiaktivitäten – wer kann wo, wie und wann fischen. Die GFP wird zurzeit reformiert; die neue Politik soll voraussichtlich 2013 in Kraft treten.

Grenzreferenzwerte: Biologische oder Fischereimanagement-Indikatoren, die den Wert definieren, über den hinaus der Zustand einer Fischerei oder einer Ressource nicht als wünschenswert erachtet wird. Die im EU-Fischereimanagement verwendeten Grenzwerte umfassen:

  • Bpa – Wert, unter den die geschätzte Bestandsgröße (B = Biomasse) gemäß Vorsorgeansatzwert (precautionary approach = pa) nicht sinken darf.
  • Blim – die geschätzte Obergrenze (limit = lim), unter die der Fischbestand nicht sinken darf, um keinen Kollaps des Bestands zu riskieren.
  • Flim – das Niveau der fischereilichen Sterblichkeit (= f), über dem ein inakzeptabel hohes Risiko besteht, dass die Bestände kollabieren.
  • Fpa – ein Niveau der fischereilichen Sterblichkeit (= f), das gemäß dem Vorsorgeansatz (precautionary approach = pa) nicht überschritten werden darf.

Habitat- (und Arten) Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen): Verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten, bestimmte seltene, bedrohte oder typische Lebensräume oder Arten, die in der Anlage zur Richtlinie genannt sind, zu schützen. Zu den Lebensräumen zählen u. a. Sandbänke, Lagunen und Riffe. Unter den Arten finden sich u. a. Atlantischer Lachs, Großer Tümmler, Schweinswal, Seehunde und Kegelrobben, Neunauge, Otter und Stör.

Höchstmöglicher Dauerertrag (MSY): Der größtmögliche Fang, der jährlich aus einem Fischbestand entnommen werden darf, ohne dabei die Fähigkeit zur zukünftigen Regeneration zu beeinträchtigen.

Individuell übertragbare Quote (ITQ): Eine Form von Fischereimanagement, bei der einzelnen Fischern oder Schiffen Quoten zugewiesen werden. Die Quoten können weiterverkauft werden.

Integrierte Meerespolitik (IMP):  Eine in 2007 eingeführte EU-Politik mit dem Ziel, alle Elemente meeresbezogener Tätigkeiten einzuschließen und einen Managementrahmen für eine holistische und integrierte Herangehensweise an wirtschaftliche und nachhaltige Entwicklungsbestrebungen für die EU-Gewässer zu schaffen; darunter fallen auch Transport, Wettbewerbsfähigkeit und Forschung.

Komitologie: Umsetzung des Fischereimanagements durch die Kommission und Ausschüsse der Vertreter der Mitgliedsstaaten gemäß der ihnen vom Europäischen Parlament und vom Rat übertragenen Befugnisse, aber ohne Einbeziehung dieser beiden Organe in die Entscheidungsfindung.

 

Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie: (Richtlinie 2008/56/EG zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Meeresumwelt): Ziel der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie ist der effizientere Schutz der Meeresumwelt in ganz Europa. Die Mitgliedsstaaten müssen Maßnahmen ergreifen, um bis 2020 einen guten ökologischen Zustand der EU-Meeresgewässer zu erreichen.

Nachhaltige Fischerei: Fangaktivitäten, die der biologischen und wirtschaftlichen Produktivität, der biologischen Vielfalt oder der Ökosystemstruktur keine unerwünschten Änderungen zufügen.

Ökosystemansatz: Beim Fischereimanagement umfasst dies die Berücksichtigung aller physischen, chemischen und biologischen Variablen innerhalb eines Ökosystems sowie deren komplexe Interaktionen. Wird auch mit Ökosystemansatz für Fischerei (EAF) und ökosystemorientiertes Fischereimanagement (EBFM) bezeichnet.

Pelagische Arten: Fische, die in mittleren Tiefen oder nahe an der Oberfläche leben. Zu den pelagischen Fischen zählen Arten wie Hering und Sardellen.

Regionale Fischereiorganisation (RFMO): Der Zusammenschluss verschiedener Fischereinationen, die Bemühungen zum Erhalt und zur Bewirtschaftung von Fischbeständen in Hochseeregionen koordinieren.

Regionaler Beirat (RAC): Sieben einzelne Organe, die sich aus Fischerei-Interessensgruppen zusammensetzen und gegründet wurden, um die Europäische Kommission zum Thema Fischereimanagement zu beraten. Fünf RACs decken geographische Gebiete ab, einer ist für Langstreckenflotten und einer für pelagische Arten in der EU zuständig.

Relative Stabilität: Im Rahmen der GFP das Prinzip, nach dem den EU-Mitgliedsstaaten ein fester Anteil der zulässigen Gesamtfangmenge (TAC) für einen bestimmten Fischbestand zugewiesen wird, und dies basierend auf den vorhergehenden Fangaktivitäten ihrer Flotte.

Rückwurf: Fisch oder Meeresorganismen, die nach dem Fang zurück ins Meer geworfen werden (siehe Beifang). Zurückgeworfener Fisch und sonstige Tiere haben kaum Überlebenschancen.

Überfischt: Der Zustand eines Bestands, wenn er einen vom Management gesetzten Grenzwert erreicht, bei dem die Population auf ein Niveau absinken könnte, das für eine Sicherstellung der Fortpflanzungsrate und demzufolge der Aufrechterhaltung des Bestands zu niedrig ist.

Vorsorgeansatz: Das Prinzip der Einleitung von Maßnahmen bei der Möglichkeit ökologischer Schäden, noch bevor zwingende Beweise für eine mögliche Schädigung vorliegen. Beim Fischereimanagement muss durchaus beachtet werden, das Ungenauigkeiten bei Fischbestandsaufnahmen und –management gegeben sind; es müssen adäquate Maßnahmen ergriffen werden, damit der Bestand nicht unter die Grenzreferenzwerte fallen kann.

Zulässige Gesamtfangmenge (TAC): Die Gesamtmenge an Fisch, die aus einem bestimmten Bestand über einen festgelegten Zeitraum gefangen werden darf. Die TACs werden vom Europäischen Rat einmal jährlich verhandelt oder anhand von langfristigen Managementplänen festgelegt, die im Rat verabschiedet werden. Das EU-Parlament hat kein Mitentscheidungsrecht für TACs.